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Rekultivierte Weinbergsterassen in der 'Hölle von Arvier'
Enfer heißt Hölle. Die Hölle ist bekanntlich heiß. Und so ist es auch im Anbaugebiet des Enfer d’Arvier. Um bis zu 20 Grad ist die Temperatur im Anbaugebiet des Enfer d’Arvier manchmal höher als in der unmittelbaren Umgebung. Dieses besondere Kleinklima ergibt auch ganz besondere Weine: Intensive, vollmundige Tropfen, die allerdings aufgrund der hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht immer von enormer Geschmacksvielfalt und von elegantem, rassigem Charakter sind.
Die Hölle ist im Aosta-Tal nicht aber nur heiß, sondern auch sehr klein. In einer halben Stunde hat man das Anbaugebiet des Enfer d’Arvier bequem abgelaufen – zumindest in der Vertikalen. Wer den Ehrgeiz hat, die Hölle des Aosta-Tals auch horizontal zu durchqueren, wird mit einer weiteren ihrer Eigenheiten konfrontiert: Sie ist steil, richtig steil. Und das macht den Weinbau hier extrem arbeitsaufwendig und kostspielig. Um so erstaunlicher ist das Preisniveau der Weine der Coopérative de l’Enfer. Aber es ist hier so wie in vielen Anbaugebieten Italiens, in denen unter schwersten Bedingungen erstklassige Weine produziert werden: Viele der in der Genossenschaft zusammengeschlossenen Weinbauern verrichten ihre Arbeit, weil es ihr Leben ist und sie ihnen trotz geringem Verdienstes und vielen Arbeitsstunden einfach Freude macht. Gut, dass es in der heutigen Zeit so etwas noch gibt.
Der zweite Rotwein der Coopérative d’Enfer, der Mayolet, wächst auf leichter zu bearbeitenden Weinbergen und kann deshalb zu einem günstigeren Preis angeboten werden. Für mich ist dieser feinfruchtige, elegante Tropfen einer der schönsten Weine des Anbaugebiets. Er erinnert etwas an den Südtiroler Vernatsch, besitzt allerdings etwas mehr Fruchtsäure, was ihn zum wohl charmantesten Wein des Aosta-Tals macht. |